Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keinen Arztbesuch, und das übermittelte Wissen darf nicht als Behandlungsersatz verstanden werden. Die folgenden Handlungen und Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig.

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    21 Schritte in Deine seelische Freiheit

    2. Schritt – Jederzeit ein neuer Anfang, wie ein leeres Blatt Papier

    Über die Fähigkeit emotional stets neu anzufangen, frei von Altlasten.

    (Erzählt anhand einer fiktiven Story.)

    Beispiel 1
    Sie wollten sich doch den Spielfilm zusammen anschauen. Es war sehr gemütlich auf dem Sofa, der Film war genau nach ihrem Geschmack. Trotzdem schielte Anita W. mit steigendem Frust zu ihrem Mann hinüber. Er lag bereits seit zwanzig Minuten völlig entspannt mit geschlossenen Augen auf dem Rücken und schnarchte vor sich hin. Der Ärger, der in ihr hochstieg war mächtig. Sie versuchte eine ganze Zeit ihn zu beherrschen. Objektiv betrachtet gab es keinen Grund, warum ihr Mann auf seinem eigenen Sofa nicht einschlafen durfte. Sie versuchte sehr sich zu beherrschen und es hinzunehmen. Aber es ging nicht, sie konnte es nicht aushalten. Dazu schoss in Sekundenschnelle auch noch alles andere, was sie je an ihrem Mann gestört hat, vor ihrem geistigen Auge vorbei. Wie schon viele Abende zuvor, konnte sie die Situation nicht aushalten. Sie weckte ihn und bot ihm mit erzwungener Freundlichkeit an, dass er doch ins Bett gehen könnte, wenn er so müde sei.

    Nachdem sie lange genug auf ihn eingewirkt hatte, zuckte er genervt die Schultern und trollte sich. Da saß sie nun.  Der Auslöser ihres Grolls war zwar verschwunden, aber sie war nicht mit sich im Reinen.

    Was war das nur? Wenn sie nicht einmal mit ihrem schlafenden Mann Frieden halten konnte, wie sollte es denn da jemals einen Weltfrieden geben?

    Ihre Unfähigkeit souverän zu reagieren ließ sie fast verzweifeln. Erst als ihr Mann an einem Samstagnachmittag, an dem ihr Enkel zu Besuch war wieder auf dem Sofa einschlief, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen.

    Ihr Enkel rannte nämlich spontan zum Opa und wollte ihn wecken. Anita W. war über sich selbst erschrocken, wie barsch sie das Kind stoppte. Sie befand sich in einem intensiven Zwiespalt. Einerseits fühlte es sich an wie ein Tabu, den Opa auf dem Sofa zu wecken, obwohl sie das abends mehr als einmal selbst gemacht hatte.  Andrerseits tat es ihr von Herzen für ihren Enkel leid, der so gerne mit seinem Opa gespielt hätte.

    Reumütig setzte sie sich zusammen mit dem Jungen auf die Terrasse und schaute ihm beim Spielen zu. Sie begann zu träumen und langsam stiegen Bilder aus ihrer Erinnerung in ihr auf.

    In ihrer Kindheit war der Vater leider sehr oft abwesend. Er war häufig die ganze Woche geschäftlich weg und am Wochenende pflegte er seine Hobbies. Das alles erschöpfte ihn natürlich sehr. Deshalb lag er den Großteil seiner Freizeit zu Hause im Wohnzimmer und schlief. Plötzlich verstand Anita, warum sie so vehement auf den Sofaschlaf ihres gütigen Gatten reagierte. Eigentlich war sie wütend auf ihren Vater, der so oft wenn er dann mal zuhause war, mit einer schlafenden Anwesenheit glänzte. Ihre Mutter, die Anita oft leidtat, weil sie ihre Einsamkeit mit Heiterkeit überspielte, hatte sich damit abgefunden. Aber Anita schwor sich schon damals, dass ihr Eheleben anders verlaufen sollte. Bis zu diesem Nachmittag, als sie darüber grübelte, warum sie ihren negativen Reaktionen gegenüber ihrem Mann und heute sogar ihrem Enkel gegenüber so ausgeliefert war, hatte sie nicht mehr an diese Situationen ihrer Kindheit gedacht.

    Wie könntest du dich von solchen unbewussten emotionalen Manipulationen in deinen Reaktionen befreien?

    1. Erkenne, was dich antreibt

    Wann triggern die im Herzen aufgeschriebenen Emotionen an aktuellen, ähnlichen Situationen an und treten einen unbewussten Automatismus los.

    In Anitas Fall, ist der Moment nachdem sie ihren Mann vom Sofa ins Bett gegrault hat und sie alleine im Zimmer war, der Schlüssel zur Erkenntnis. Sie war in keiner Weise zufrieden, sondern immer wieder unruhig, schuldbewusst und verwirrt.

    In diesem Stadium geht es nur darum, sich selbst ernst zu nehmen und ganz bei sich zu bleiben. Die Lösung liegt im Inneren.

    Im Herzen befinden sich die emotionalen Ansammlungen, wie in einem dicken Buch aufgeschrieben. Dort ist die Ursache für nachtragende Gefühle, für nicht verzeihen und nicht vergessen können. Hier werden ähnliche Empfindungen angezogen. Je nachdem welche Art von Emotionen in diesem Buch überwiegen, entwickelt sich die Herzensqualität und das Wohlgefühl.

    Vor dem 2. Schritt
    EMOTIONALE ERINNERUNGEN BEEINFLUSSEN DIE ZUKUNFT
    emotionale_erinnerungen_beeinflussen_die_zukunft

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    Beispiel 2
    So war es auch bei Andreas.
    Er war so wütend und kam einfach nicht runter. Dabei war es so banal. Er saß mit seiner Frau Gabi gemütlich im Restaurant. Sie tranken ein Glas Weißwein, als sie auf das Essen warteten. Normalerweise war er eher zurückhaltend und kam nicht so spontan aus sich heraus. Da er sich aber so wohl fühlte, beobachtete er an sich selbst, wie locker er seiner Gabi von seinem Konflikt mit einem Arbeitskollegen erzählte.

    Sie war ihm ganz zugewandt und er war sich in dieser Situation ihrer Aufmerksamkeit sicher. Deshalb begann er sich immer mehr zu öffnen. Während er immer näher an den Punkt kam, sich ihr in seiner existenziellen Furcht vor Verleugnung in der Firma zu offenbaren, zog sie ganz nebenbei ihr Handy heran, um eine eben eingegangene Nachricht zu lesen. Andreas spürte deutlich, wie ihre Aufmerksamkeit beim Zuhören rapide abnahm.

    Er riss sich zusammen und sprach weiter. Aber ihre Gedanken waren zur Hälfte woanders und sie nickte an der falschen Stelle. In ihm stieg Empörung hoch. Wie konnte sie nur? Es fühlte sich an wie ein Verrat. Wozu sollte er sich öffnen, am Ende wird man doch stehen gelassen. Gekränkt begann er zu schweigen.

    Gabi kannte seine vehementen Reaktionen bereits. Sie erklärte ihm, welche Nachricht sie so abgelenkt hatte und entschuldigte sich mehrmals besonders lieb. Obwohl sie ihm fast leid tat, fand er während des ganzen Abends nicht aus dieser destruktiven, beleidigten Stimmung heraus.

    Wie kannst du dich aus der Verhaftung in destruktive Emotionen lösen?

    2. Bei so intensiven gekränkten Gefühlen hilft das Finden der Ursache, um zu verstehen, um was es eigentlich geht

    Andreas hasste die Auszeiten, bei denen er in seiner Kränkung gefangen war und wollte sie überwinden und hinter sich lassen.

    Bei einer homöopathischen Anamnese, in der durch die verschiedenen Reaktionen in der Biographie ein roter Faden erkennbar wird, entdeckte Andreas den Ursprung seiner Wut.

    Er war der ältere ernsthafte Bruder und hatte eine drei Jahre jüngere quirlige selbstbewusst auftretende Schwester. Das Mädchen war sehr lustig und mochte es im Mittelpunkt zu stehen. Es ist ihm mehrmals passiert, dass er mit seiner Mutter alleine beim Mittagstisch saß und sich mit ihr in einer interessanten Unterhaltung befand. Er ging davon aus, dass seine Mutter die tiefen Gespräche, die sie manchmal zusammen führten auch genoss.

    Aber es geschah viele Male, dass seine Schwester plötzlich von der Schule nach Hause kam und voll guter Laune die Aufmerksamkeit auf sich zog. Seine Mutter wandte sich häufig mitten in seinem Satz einfach seiner Schwester zu und ließ ihn sitzen. Natürlich war das keine böse Absicht, aber er fühlte sich verraten. Zudem kam, dass er sich bis heute selbst nicht mehr traute. Sind seine Gesprächspartner wirklich interessiert oder warten sie nur, bis sie sich unauffällig aus der Unterhaltung mit ihm ziehen konnten. Es wurde ihm klar, dass er auch heute noch immer wieder von dem Platz am Tisch mit seiner Mutter, aus den damaligen Emotionen heraus reagierte.

    Was bringt es dir, dich immer besser zu erkennen und zu verstehen?

    Das macht dich immer freier und du bist der bewusste Schöpfer deiner eigenen Reaktionen.

    Nach dem 2. Schritt:
    JEDERZEIT EIN WEISSES BLATT PAPIER IM HERZEN

    Andreas und Anita möchten sich selbst befreien und ihre eingefahrenen Muster überwinden. Da sie beide schon Anfang vierzig sind, ist es ihnen bewusst, dass die Überwindung der Gewohnheiten Geduld und Durchhaltevermögen erfordert.

    Mit dem zweiten Schritt, Meditationen und der Integration des Bildes mit dem jederzeit frischen Blatt Papier im Herzen, beginnen sie jetzt ihre emotionalen Reaktionen im vollen Bewusstsein zu erleben.

    Selbst bei ganz aktuellem, akutem Ärger, ist es möglich sich selbst immer wieder von der gewohnten charakterlichen Reaktion zu distanzieren.

    Früher hat sich Andreas aus Unkenntnis seiner Selbst, seinen Emotionen hingegeben. Heute erkennt er immer schneller, wenn sich das dicke Buch wieder in sein Herz gemogelt hat. Dann hält er inne und lässt alles Negative, das sich in ihm ausbreiten will, durch Desinteresse verhungern und schickt es nach unten über die Füße ins Erdreich. Dann tauscht er gedanklich das Buch gegen ein strahlend, weißes Blatt Papier im Zentrum seines Herzes. Was darauf geschrieben wird, entscheidet er selbst, jetzt in jedem Moment. Da ihm das imaginäre, frische Blatt Papier sehr wertvoll ist, ist er motiviert nur lockere und liebevolle Einträge zu schreiben.

    Ebenso ist es bei Anita. Sie hat sich zu dem Bild mit dem neuen Papier im Herzen noch ein alternatives Heilmittel verschreiben lassen. Damit gelingt die Integration des inneren kleinen Mädchens, das unter der Abwesenheit des Vaters litt, in ihrem erwachsenen Herzen besser. Mittlerweile kann sie sogar eine ganze Filmlänge ihren mal wieder mal im Schlaf verschwundenen Mann, voller Zuneigung und Zärtlichkeit betrachten und zudecken.


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